Erna

Heimann geb. Levy

(1890-1941)

Biografie

Erna Levy erblickt am 14. Mai 1890 in der Bergmannstraße 17 in Berlin das Licht der Welt. Sie ist das erste von vier Kindern der Eheleute Ludwig (auch Louis) und Clara Levy. Die Familie zieht umher – nach Finsterwalde und Reichenberg (heute Liberec, Tschechien) und wieder nach Berlin, wo sie einige Jahre in der Michaelkirchstraße 16 bleiben.

​Der Kaufmann Max Heimann, den die 23-jährige Erna am 11. November 1913 heiratet, wohnt auf der anderen Seite des Tiergartens. Max ist 15 Jahre älter als Erna und kommt ursprünglich aus Halle an der Weser. Am 5. März 1915 kommt ihr erstes und einziges Kind zur Welt: ihre Tochter Ursula.
Um diese Zeit baut Ernas Vater in Spremberg eine Tuchfabrik in der Georgenstraße auf. Ein zweites Fabrikgebäude entsteht neben dem Gymnasium in der Mittelstraße. Den Firmensitz meldet Ludwig Levy in der Wiesengasse 7-8 an.

1921 stirbt Ernas Vater Ludwig mit 55 Jahren. Das Erbe wird unter den vier Kindern aufgeteilt: Erna, Fritz, Edith und Else erhalten je ein Viertel. Ihre Mutter Clara Levy wird Gesellschafterin der Firma.
Nach dem Tod ihres Vaters entscheiden sich Erna und ihr Mann Max, mit ihrer 6-jährigen Tochter Ursula, nach Spremberg zu ziehen und wohnen fortan in einer 25 Jahre alten Villa in der Wiesengasse 6. Dort zieht auch Ernas Bruder Fritz ein. Gemeinsam leiten sie die erfolgreiche Firma.

1926 heiratet Ernas Bruder Fritz und wird kurze Zeit später selbst Vater eines kleinen Sohnes. Erna und und ihr Bruder sanieren ihre Villa von Grund auf; bauen sie in zwei Fünfraumwohnungen und einer Dreiraumwohnung um und statten sie luxuriös aus. So gibt es zum Beispiel ein Bad, das komplett mit Marmor ausgekleidet wird.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird die Familie Heimann-Levy in Spremberg ab 1933 per Gesetz diskriminiert und vieler ihrer Rechte beraubt. Vorerst versuchen sie, alle Geschäfte fortzuführen. 1935 übernimmt Erna die Aufgabe ihrer Mutter als Gesellschafterin für die Firma Ludwig Levy.

1937 wird Erna Oma: ihre Enkeltochter kommt in Berlin zur Welt. Im selben Jahr kann die Fabrik in Spremberg nicht mehr gehalten werden. Die Familie Heimann-Levy muss den Firmensitz nach Berlin verlegen und zieht aus Spremberg weg. Bis zu diesem Zeitpunkt teilten sie sich mehrere Jahre die Villa in der Wiesengasse mit dem Malermeister Willi Handrick und dem Postassistenten Friedrich Schwarigk. Als Haushaltshilfe wohnte außerdem die Jüdin Henriette Fellinger bei Ernas Familie.

​Bald darauf wandert Ernas Tochter Ursula mit Ehemann und Baby nach England aus und von dort nach Valparaiso in Chile. In Deutschland erlebt Erna die Reichspogromnacht am 9. November 1938 mit. 10 Tage später wird die Firma Ludwig Levy gänzlich aufgelöst und im Handelsregister gelöscht. Auch das Depot von Erna und Max Heimann wird verpfändet. Erna und ihr Mann verlassen Deutschland im Frühjahr 1939. Ihnen gelingt die Flucht nach Chile und damit das Wiedersehen mit ihrer Tochter, ihrem Schwiegersohn und ihrem zweijährigen Enkelkind.

​Zwei Jahre später, am 18. November 1941, stirbt Erna in Santiago de Chile im Alter von 51 Jahren. Das Ende des Krieges erlebt sie nicht mit und erfährt auch nicht, ob ihr Bruder Fritz es erleben wird.
Max und Ursula bleiben in Chile. Während Ursula die chilenische Staatsangehörigkeit erwirbt, bleibt Max bis zu seinem Tod 1954 ein Staatenloser.

Quellen

Online-Archiv der Ahnenforschungsplattform acestry.de:
- Berlin, Deutschland, Heiratsregister 1874-1936 für Heimann-Levy, Standesamt Berlin VI, Nr. 976.
- Berlin, Deutschland, Geburtsregister, 1874-1908 für Erna Levÿ, Standesamt Berlin IV a, 1838/1890 (Erstregister).
- Berlin, Deutschland, Heiratsregister 1874-1936 für Levy-Lasar, Berlin IV b, 1926/719 (Erstregister).
- Berlin, Deutschland, Heiratsregister 1874-1936 für Weil-Heimann, Standesamt Berlin-Wilmersdorf, Nr. 727/1936.
- Großbritannien, Listen abreisender Passagiere, 1890-1960 für Ursula Sara Weil.

Landesarchiv Berlin:
- Wiedergutmachungsakte, B Rep. 025-04, Nr. 4, WGA, 19010, 59.
- Wiedergutmachungsakte, B Rep. 025-08, Nr. 2536, 55.
- Wiedergutmachungsakte, B Rep. 025-08, Nr. 2536, 55.
- Wiedergutmachungsakte, B Rep. 025-08, Nr. 2537, 55.
- Wiedergutmachungsakte, B Rep. 025-08, Nr. 2538, 55.
- Wiedergutmachungsakte, B Rep. 025-08, Nr. 4003, 55.

Brandenburgisches Hauptstaatsarchiv:
- 6C Spremberg 56, Verkauf von Grundstücken jüdischer Bürger in Spremberg, 1938-1943.

Stadtarchiv Spremberg:
- Spremberger Adressbücher von 1932 und 1936.

Literatur:
- Klaus Rebelsky: Die jüdischen Mitbürger von Spremberg, 59, in: Spremberger Kulturbund e.V./Stadtverwaltung Spremberg (Hrsg.): Heimatkalender 2002, Stadt Spremberg und Umgebung, Cottbus 2002.