Hans Schnabl (1903- >1946)

Biographie

Hans Schnabl kommt am 8. August 1903 in Sagan, Preußen (heute Żagań, Polen) zur Welt. Er ist eines von vier Kindern des Tuchfabrikanten Emil Schnabl und dessen Ehefrau Ida geb. Wilhelm. Als Hans zur Schule kommt, zieht seine Familie nach Spremberg. Dort eröffnet sein Vater eine Tuchfabrik in der Berliner Straße und lässt eine Villa als Schnabl'schen Familiensitz auf dem Schomberg errichten.

Mit zehn Jahren kommt Hans ans Spremberger Realgymnasium. Nach der Schule geht er zur Ausbildung an die Webschule Cottbus. Während seiner Lehrzeit sterben seine Eltern. Vermutlich verwaltet fortan Hans älterer Bruder Max Schnabl das Erbe.

Hans heiratet 1929 in Wien die Damenschneiderin Margarethe Bonzelj. 1931 kommt ihr Sohn in Wien zur Welt. Ein Jahr nach der Wahl Hitlers zum Reichskanzler muss Hans aus der Stadt fliehen und seine Frau und sein dreijähriges Kind zurücklassen. Zu dieser Zeit stirbt sein Bruder Max und werden in Spremberg alle Gebäude und Besitztümer der Schnabls im Rahmen von sogenannten „Entjudungsgeschäften“ verkauft. Vertreten werden die Geschwister dabei von einem jüdischen Rechtsanwalt aus Cottbus, Hermann Hammerschmidt, der 1944 von den Nationalsozialisten ermordet werden wird.

Bis 1939 hält sich Hans auf einem Gut in der Tschechoslowakei auf und arbeitet in der Landwirtschaft mit. Im März 1939 besetzen die Nationalsozialisten das Land und Hans wird weiter vertrieben. Er reist auf illegalem Weg nach Palästina ein. Dort schließt er sich der englischen Armee an und kämpft bis 1943 in Ägypten und Libyen gegen Italien und das Deutsche Reich. Dann wird er aus gesundheitlichen Gründen entlassen. Die kommenden drei Jahre arbeitet er als Taxi-Chauffeur in Haifa, Palästina.

1946 stellt Hans einen Antrag auf Erteilung der palästinensischen Staatsbürgerschaft und zugleich einen Antrag auf Unterstützung für vertriebene Personen bei der Internationalen Flüchtlingsorganisation (IRO), um nach Österreich zurückkehren zu können und mit seiner Familie wieder vereint zu werden. Ab 1946 lebt Hans mit seiner Frau Margarethe und seinem nun 15-jährigen Sohn in Salzburg und wird dort Geschäftsführer einer Schneiderei. Über sein weiteres Leben ist noch nichts bekannt.

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Einbürgerungsantrag Hans Schnabl
Siehe auch
  • Max Schnabl

  • Ruth Drexler geb. Schnabl

  • Gertrud Bader geb. Schnabl

Quellen

Grabstein auf dem Georgenberg, Spremberg.

 

Landesarchiv Brandenburg:

- Rep. 6C Spremberg 56, Verkauf von Grundstücken jüdischer Bürger in Spremberg.

 

Literatur:

- Klaus Rebelsky: Die jüdischen Mitbürger von Spremberg, 56, in: Spremberger Kulturbund e.V./Stadtverwaltung Spremberg (Hrsg.): Heimatkalender 2002, Stadt Spremberg und Umgebung, Cottbus 2002.

 

Arolsen Archiv:

- CM/1 Formulare und verschiedene Begleitdokumente für Displaced Persons in Österreich, Signatur 1698000, Schnabl, Hans.

 

MyHeritage Archiv:

- Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947, Hans Schnabl.